Dumme rennen, Kluge warten, Weise gehen in den Garten.
Rabindranath Tagore

„Der Traum ist so etwas wie eine kleine Psychotherapie.“ (Brigitte Holzinger)

Träume sind Bilder der Seele. Sie zeigen ein reines, authentisches Bild der seelischen Inhalte. Sie sind nicht verfälscht, denn der Verstand schläft ja. Da ist niemand, der beschönigt, manipuliert, verdrängt, vergisst. Träume sind ehrlich.

Träume spiegeln die innere Seelenlage wider. Manchmal sind das Erfahrungen aus dem Alltag, manchmal finden sich Bilder aus vergangenen oder zukünftigen Zeiten. Immer aber sind sie begleitet von Gefühlen, Empfindungen, Farben, vielleicht Tönen, und können uns eine Menge über unsere inneren Wünsche, unsere Zweifel, Unsicherheiten, unsere Hoffnungen und Enttäuschungen mitteilen. So, wie wir innere oder äußere Prozesse durchleben, so begleiten uns unsere Träume und können uns etwas verraten über das, was wir erleben, oder wie wir es erleben. Wenn wir es verstehen, die Traumsymbole zu entschlüsseln, können wir eine Menge über uns selbst lernen. Wir haben die Möglichkeit, Dinge über uns zu erfahren, vor denen wir sonst die Augen verschließen. Wir können Fähigkeiten in uns erkennen, die wir im täglichen Handeln übersehen. Und wir können Lösungswege erkennen, die sich vor unserem inneren Auge gebildet haben, die wir aber dennoch nicht sehen können oder wollen.

Anhand der Träume sind wir zu jedem Zeitpunkt über die seelischen Vorgänge im Bilde. Wir erkennen, wenn ein Prozess ins Stocken gerät oder sich in die falsche Richtung entwickelt. Wir erkennen aber auch Fortschritte, oft innerhalb einer einzigen Nacht. Möglicherweise zeigen sich verborgene Fähigkeiten, vielleicht zeigen sich aber auch unangenehme Seiten in uns. Das ist Psychotherapie: Wir wollen seelische Prozesse in Gang setzen, wir wollen etwas zum Positiven verändern.

Über die Deutung von Traumsymbolen gibt es die unterschiedlichsten Ansichten. Nur eines scheint heute wissenschaftlich unterstützt: Träume und seine Symbole sind persönlich zu interpretieren und lassen sich nicht anhand eines Nachschlagewerkes behandeln. Die Frage, ob ein Traum „richtig“ interpretiert, also „verstanden“ wurde, kann nur der Träumer selbst beantworten – er wird es „fühlen“.

Sie sind anregend und kreativ, manchmal auch bizarr oder völlig absurd, und sie gehören uns ganz allein: unsere Träume.

Warum träumen wir? Was sind Träume?

Wenn wir träumen, versucht unser Unterbewusstes die Beobachtungen und Erfahrungen des Alltags in unsere bisherige Erlebniswelt zu integrieren. Dabei werden vielleicht neue Bilder abgespeichert oder aber das Unterbewusste ist gefordert, alte Bilder zu überarbeiten. Das sind Lernprozesse, die Nacht für Nacht von unserem Gehirn durchgeführt werden.

Man kann sich das so vorstellen, dass die Bilder, die wir in den letzten Tagen erlebt haben, mit allen Bildern, die bereits in uns vorhanden sind (das geht bis in die Kindheit zurück), verglichen und bewertet werden müssen. Bei diesem Prozess kann es natürlich zu Unstimmigkeiten und Unverträglichkeiten zwischen den „alten“ Erfahrungen und den „neuen“ geben. Solche Konflikte zeigen sich dann überdeutlich im Traum.

Man kann also sagen, dass Träume Konflikte zwischen aktuellen und früheren Erfahrungen aufzeigen – frühere Erfahrungen, die bis in die Kindheit zurückreichen können. Die Aufarbeitung dieser Konflikte wird zu Recht Traumarbeit genannt.

Träume drücken sich leider nicht in verständlichen Worten aus, sondern verwenden Bilder aus unserem Erfahrungsschatz, die dem Unterbewussten in der jeweiligen Situation als geeignet erscheinen. Dies ist ein natürlicher Vorgang, da unser Gehirn beim Lernen ja auch Bilder verwendet und abspeichert statt Worte.

Wann erinnern wir uns an einen Traum?

Das hängt im Wesentlichen von drei Dingen ab:

  1. In welcher Schlafphase wachen wir auf?
  2. Wie stark waren die Traumbilder?
  3. Wie sehr konzentrieren wir uns auf unser Traumgeschehen? Wie sehr „wollen“ wir träumen?

Die Geschichte vom Traum

In Bagdad lebte einst ein Mann, der hatte durch einen Unstern all sein Hab und Gut verloren. Jetzt war er so arm, dass er kaum genug zu essen hatte. Er lebte in einer armseligen Hütte und das einzige, was er noch besaß, war sein Pistazienbaum hinter dem Haus. Eines Abends legte er sich wieder einmal hungrig ins Bett und da träumte ihm, dass eine Stimme sagte: „Geh nach Kairo, dort findest du dein Glück!“
Am nächsten Tag schnürte der Mann sein Bündel und machte sich auf den langen Weg nach Kairo. Als er endlich dort ankam, wurde gerade zum Abendgebet gerufen. Er begab sich in eine Moschee und betete. Weil er jedoch so müde war von der langen Reise, schlief er beim Beten ein.
Die Nacht kam und der Mann schlief tief und fest. Räuber drangen in die Moschee, wollten ein Loch ins Nachbarhaus bohren, um ihre Beute zu machen. Die Leute des Nachbarhauses hörten jedoch das Bohren und schlugen Lärm. Sofort kamen die Wächter des Kalifen. Doch als sie ankamen, waren die Räuber schon über alle Berge geflohen. Sie fanden nur noch diesen schlafenden Mann am Boden. Sie packten ihn, legten ihn in Ketten und brachten ihn vor den Kadi.
Der Kadi fragte den Mann: „Wer bist du? Woher kommst du? Was willst du hier? Bist du gar der Kopf dieser Räuberbande?“
„Ich bin nur ein einfacher Mann aus Bagdad und mir träumte, dass ich nach Kairo kommen solle. Dort fände ich mein Glück. Aber was finde ich hier? Nichts als Prügel.“
Da lachte der Kadi, dass ihm die Goldzähne blitzten im Schlund: „Wegen eines simplen Traumes bist du den langen Weg von Bagdad nach Kairo gekommen? Weißt du denn nicht, dass Träume Lug und Trug sind? Träume sind Schäume, das weiss doch jedes Kind. Schau, auch ich habe geträumt heute nacht, dass ich nach Bagdad gehen und dort bei einer armseligen Hütte beim Pistazienbaum graben soll, dann fände ich einen Schatz. Aber ich bin doch nicht dumm und gehe wegen eines Traumes bis nach Bagdad.“
Er gab dem Mann ein paar Münzen und schickte ihn nach Bagdad zurück. Nach Wochen kam der Mann in seiner Heimatstadt an, ging zu seiner Hütte, lieh sich einen Spaten beim Nachbarn aus und fing an, bei den Wurzeln seines Pistazienbaumes zu graben. Er fand eine Kiste, fand Gold und Silber und ward reicher denn je.

Quelle unbekannt