Zu wissen, was man weiß, und zu wissen, was man tut, das ist Wissen.
Konfuzius

Neu: Offene Traum-Gruppe

Jeweils mittwochs und donnerstags von 18:30 – 20:00h finden offene Traum-Gruppen in meiner Praxis in Bad Krozingen statt.
Beginn: Mittwoch, 15. Sept. 2021 und Donnerstag, 16. Sept. 2021
Kosten: 10 € pro Person pro Abend
Bitte kontaktieren Sie mich im voraus.

Ziel dieser Traum-Gruppe ist es, ein Verständnis dafür zu erlangen, wie Träume funktionieren und wie wertvoll sie für das eigene Wohlbefinden und die eigene Gesundheit sein können. Es sollen Techniken und Methoden vorgestellt und eingeübt werden, die geeignet sind, Trauminhalte verständlicher und transparenter zu machen. Jeder Teilnehmer kann auf Wunsch seine Träume in die Gruppe einbringen und diese im gemeinsamen Gespräch erörtern und verstehen lernen.

Asklepios-Kult (lat. Aesculapius) des antiken Griechenlands (6./5. Jahrhundert v. Chr.):

Kranke legten sich in einen Tempel zum Schlafen und nahmen sich dabei vor, von etwas Heilendem zu träumen. Asklepios, Halbgott und Sohn des Apollon, war der Gott der Heilkunst. Er konnte im Traum dem Menschen Anweisungen für seine Gesundheit geben und korrigierend eingreifen. Im sog. Asklepios-Heiligtum entrichteten die Betroffenen eine Geldspende für den sog. Heilschlaf. Gegen Abend legten sich die Kranken in den hierfür vorgesehenen Räumen auf die Liegen nieder (griech. κλίνη kline; daher stammt der Begriff Klinik).

Wozu sich mit seinen Träumen beschäftigen?

  • Einen etwas anderen Zugang schaffen zu emotionalen Problemen, Aufgaben und Verhaltensmustern, die uns beschäftigen.
  • Begreifen, wie vergangene Erfahrungen das aktuelle Leben beeinflussen; Träume nutzen, um die Alltagssituation zu verbessern.
  • In der Gruppe: Zusammenhänge erkennen, auf die der Träumer alleine nicht kommen würde.
  • Träume sind Erlebnisse, die wir als wirklich wahrnehmen. Durch den Traum bekommt man das Gefühl, sich oder seinen Umgang mit anderen Menschen besser zu verstehen (emotionaler Erkenntnisprozess; Lernen durch Erfahren).
  • Träume haben die wichtige Funktion, soziale Situationen zu üben.
  • Manchmal führen Träume zu neuen Einsichten. Träume sagen einem nur selten etwas bahnbrechend Neues, doch sie ermöglichen einem, Dinge aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.
  • Probleme oder (unangenehme) Eigenschaften werden nie direkt angesprochen. Träume sind oft bizarr und symbolisieren stark. Dadurch fühlt man sich nicht direkt angesprochen oder „ertappt“. Es besteht ein gewisser Abstand, man kann die Dinge, die im Traum verborgen liegen, besser akzeptieren und sich dadurch besser damit auseinandersetzen. Man kann leichter darüber nachdenken.
  • Träume werden als eigen, von einem selbst, akzeptiert. Man wird nicht von anderen belehrt, bloßgestellt, blamiert, usw. Kritik usw. kann so leichter angenommen und verarbeitet werden.
  • Wenn man über Träume und seine Emotionen redet, gibt es oft schon dadurch alleine eine emotionale Entlastung. Man fühlt sich nachher ein wenig besser.
  • Beim Nachdenken über die Träume wird man sich oft klarer über Gefühle und Gedanken, die vielleicht schon innerlich vorhanden waren, aber noch nicht bewusst wurden – und vielleicht auch nicht bewusst geworden wären.
  • Oft werden neue Lösungswege deutlich oder neue Erkenntnisse. Es werden bereits vorhandene Informationen (auch alte Informationen aus der Lebensgeschichte) neu zusammengestellt, abgewägt, Gefühle werden miteinbezogen. Mithilfe der Phantasie werden neue Wege ausprobiert und auf Wirksamkeit überprüft. Träume können damit Wege aufzeigen, die man „intuitiv“ erfasst.

Wie funktionieren Träume?

  • Konsolidierung von Gedächtnisinhalten: Dinge, die tagsüber gelernt oder erfahren werden, werden im Schlaf weiterverarbeitet, mit vorherigem Wissen verknüpft und dann abgespeichert. Wir können mithilfe der Träume unserem Gedächtnis quasi dabei zusehen, wie es die Eindrücke des Tages Revue passieren lässt und mit früheren Erfahrungen abgleicht. Der Traum verbindet also aktuell aufwühlende Erlebnisse mit früheren, kramt in der ganzen Kiste unseres Gedächtnisses und fügt die Funde zu gleichermaßen abstrusen wie metaphorischen Filmen zusammen.
  • Wach-Traum-Kontinuität: Viele Trauminhalte sind bedeutungsvoll verbunden mit Interessen, Vorlieben, Sorgen und Aktivitäten im täglichen Leben. Träume hängen mit unseren persönlichen Erfahrungen zusammen. Je emotionaler ein reales Ereignis, umso eher taucht es im Traum auf.
    Wir träumen hauptsächlich in der REM-Phase (durch Theta-Wellen (4 – 7 1/2 Hz) gekennzeichnet); diese spielen in Bereichen wie Entspannung, Hypnose, EMDR eine große Rolle.

Warum träumen wir? Zwei Theorien

  • Allan Hobson (geb. 3.6.1933; Psychiater in Harvard): Das Gehirn versucht über die Träume, die nächtlichen Erregungen zu interpretieren.
  • Antti Revonsuo (geb. 1963);finnischer Neurowissenschaftler): Mentales Trainingsprogramm, in dem wir uns auf potentiell gefährliche Situationen und Herausforderungen vorbereiten. Wir üben uns, vor Feinden wegzurennen, uns zu verteidigen, mit peinlichen Situationen oder sozialer Ablehnung umzugehen. Sie helfen uns möglicherweise, Herausforderungen zu meistern, besser mit überschießenden Gefühlen umzugehen und die Intensität von Erinnerungen abzumildern.

Wie kann man ganz praktisch mit Träumen arbeiten?

  • Versuchen Sie, Vernunft und Logik auszublenden. Träume verwenden Bilder – nicht unsere gesprochene Sprache – um etwas auszudrücken. Die Bilder symbolisieren innere Objekte: Gefühle, Ansichten, Glaubenssätze, Vorstellungen, usw.
  • Träume spiegeln meist innere Konflikte oder Vorgänge wider. Welches Gefühl kennzeichnet den Traum? Welche Erinnerungen und Gefühle aus dem wahren Leben sind mit dem Traumelement verbunden? Gibt es wiederkehrende Muster? Wie entwickeln sich diese?
  • In Träumen geht es immer um die Träumer*in selbst, nicht um Personen, Orten oder Geschehnisse, die im Traum vorkommen.
  • Nehmen Sie sich Zeit: Träume haben eine Bedeutung, aber wir erkennen diese nur in der Gesamtschau – und mit etwas Geduld
  • Lassen Sie sich nicht von einzelnen Episoden irreführen: Erst eine Vielzahl von ähnlichen Träumen ist aussagekräftig.
  • Träume spielen mögliche Szenarien durch. Sie beinhalten immer einen Blick nach vorne. Sind die Handlungen in Träumen starr, dann handelt es sich um Alpträume, die sich meist wiederholen.
  • Erste Grundidee: Das Ziel, den Traum zu verstehen. Zweite Grundidee: Den erlebten Traum als Ausgangspunkt für neue Ideen nutzen.

Also:

  • Üben und Erfahrungen sammeln
  • Freie Assoziation: Alles aussprechen, was einem gerade durch den Kopf geht. Dabei nicht bewerten, auch falls dies anscheinend nichts mit dem Traum zu tun hat, oder falls es peinlich sein sollte.
  • Traumverstärkung: Die Gruppe sammelt Assoziationen, Einfälle oder Alltagserfahrungen zu dem Traum eines Teilnehmers. So werden verschiedenste Blickwinkel beleuchtet, was Denkprozesse beim Träumenden anregen kann.
  • Den Traum weiterentwickeln: Wie könnte die Auflösung einer Traumgeschichte aussehen? Wie könnte der Traum anders / günstiger verlaufen?
  • Objektstufe / Subjektstufe
    Objektstufe: Der Traum reflektiert Beziehungen zu anderen Menschen im Wachleben
    Subjektstufe: Es handelt sich immer um etwas in uns selbst, auch wenn das unangenehm ist.
  • Innerer Dialog mit Traumelementen: sich in ein Traumelement hineinversetzen, um es besser zu verstehen.
  • Gerade für Kinder: Traum zeichnen

Wie erkenne ich, ob ein Traum „richtig“ verstanden bzw. interpretiert wurde?

Ein Traum ist dann richtig verstanden, wenn es sich „richtig“ anfühlt!

Luzides Träumen und Hypnose

Bei luziden Träumen ist sich der Träumende bewusst, dass er träumt. Er kann bei entsprechender Übung im Traum Handlungen ausführen, die er sich am Abend zuvor vorgenommen hat. So ist es möglich, Einfluss auf den Traum und dessen Verlauf zu nehmen. Ob auf diese Weise Einfluss auf das Unbewusste genommen werden kann, bleibt jedoch fraglich. Es zeigen sich aber deutliche Parallelen zur Hypnose, in der auf einfache Weise Träume verständlicher gemacht oder auch weiterentwickelt werden können. Während luzides Träumen nicht beliebig erlernt werden kann, steht die Hypnose prinzipiell jedem zur Verfügung.

Siehe auch: Träume verstehen

Gibt es ein Leben nach der Geburt?

Ein ungeborenes Zwillingspärchen unterhält sich im Bauch seiner Mutter. „Sag mal, glaubst du eigentlich an ein Leben nach der Geburt?“ fragt der eine Zwilling. „Ja, auf jeden Fall! Hier drinnen wachsen wir und werden stark für das, was draußen kommen wird.“ antwortet der andere Zwilling. „Ich glaube, das ist Blödsinn!“ sagt der erste. „Es kann kein Leben nach der Geburt geben – wie sollte das denn bitte schön aussehen?“  „So ganz genau weiß ich das auch nicht. Aber es wird sicher viel heller als hier sein. Und vielleicht werden wir herumlaufen und mit dem Mund essen?“  „So einen Unsinn habe ich ja noch nie gehört! Mit dem Mund essen, was für eine verrückte Idee. Es gibt doch die Nabelschnur, die uns ernährt. Und wie willst du herumlaufen? Dafür ist die Nabelschnur viel zu kurz.“ „Doch, es geht ganz bestimmt. Es wird eben alles nur ein bisschen anders.“ „Du spinnst! Es ist noch nie einer zurückgekommen von ’nach der Geburt‘. Mit der Geburt ist das Leben zu Ende. Punktum.“ „Ich gebe ja zu, dass keiner weiß, wie das Leben nach der Geburt aussehen wird. Aber ich weiß, dass wir dann unsere Mutter sehen werden und sie wird für uns sorgen.“ „Mutter??? Du glaubst doch wohl nicht an eine Mutter? Wo ist sie denn bitte?“ „Na hier – überall um uns herum. Wir sind und leben in ihr und durch sie. Ohne sie könnten wir gar nicht sein!“ „Quatsch! Von einer Mutter habe ich noch nie etwas bemerkt, also gibt es sie auch nicht.“

„Doch, manchmal, wenn wir ganz still sind, kannst du sie singen hören. Oder spüren, wenn sie unsere Welt streichelt …“  

Geschichte nach Henry Nouwen (niederländischer Priester, Psychologe und Schriftsteller; 1932 – 1996)